Die Kurzflügelgrille
(Gryllus sigillatus)
Die Kurzflügelgrille (Gryllus sigillatus)
Die Kurzflügelgrille ist eigentlich ein "alter Bekannter" unter den Futtertieren. Sie ist bei vielen Züchtern genauso lange bekannt wie z.B. das Heimchen (Acheta domestica) oder die Steppengrillen (Gryllus assimilis).

Die Kurzflügelgrille (Gryllodes
sigillatus)
Gegenüber den beiden letzteren Genannten besitzt sie sogar einige Vorteile.
Sie wurde von den meisten Züchtern von Futterinsekten jedoch bislang nicht
gezüchtet, da die Zucht aufgrund der nahezu doppelt so langen Entwicklungszeit
der Tiere zu aufwendig war.
Die Reinkarnation der Kurzflügelgrille als Futterinsekt hat jedoch ihren
Grund. Seit Ende des Jahres 2000 grassiert nahezu europaweit unter den Heimchen
(Acheta domestica) ein Densonucleosevirus, der die Tiere beim Heranwachsen spätestens
im subadulten Stadium verenden lässt. Dies bedeutet natürlich, dass
nahezu keine Zuchttiere mehr vorhanden sind, was seit dieser Zeit teilweise Engpässe
auf dem Markt zur Folge hatte. Oftmals waren auch die "erkrankten" Heimchen,
die angeboten wurden, nicht lange lebensfähig und von schlechter Qualität.
Leider lässt sich der Nachweis, ob ein Heimchen von dem o.g. Virus befallen
ist, nur mit sehr aufwendigen Untersuchungsmethoden nachweisen und ist nicht
augenscheinlich. Glücklicherweise ist nach Auskunft namhafter Wissenschaftler
und Biologen der Virus nicht auf andere Tiere übertragbar, ja sogar selbst
andere Grillensorten können bislang nicht an dem Virus erkranken.

Die Kurzflügelgrille ist aus den Tropen sowie aber auch aus Steppen und
Halbwüstengebieten bekannt. Diese Tatsache lässt sie zu einem wahren Überlebenskünstler
werden. Sie hat aus diesem Grunde gegenüber den bislang bekannten Grillensorten,
die als Futtertiere bekannt sind, einen wesentlich geringeren Bedarf an Feuchtigkeit
und ist somit sowohl bei den Händlern als auch bei den Terrarianern länger
haltbar. Auch vertragen sie Temperaturen nahe der Frostgrenze und über 30
Grad Celsius klaglos, was Ihnen bei einem evtl. anfallenden Transport hilft zu überleben.
Darüber hinaus zeigt sie keine Neigungen zum Kannibalismus. Dabei ist die
Kurzflügelgrille im Erscheinungsbild und Wesen dem Heimchen recht ähnlich.
Bis auf zwei schwarze Bänder auf dem Rücken der Tiere ist die Färbung
gleich. Auch von der Körpergröße erreichen die Kurzflügelgrillen
nahezu die Größe der Heimchen. Auch der Ruf der Männchen, also
das Zirpen, ist bei den Kurzflügelgrillen nicht so aufdringlich wie bei
Heimchen. Außerdem ist es gegenüber den Heimchen bei den Kurzflügelgrillen
nahezu unwahrscheinlich, dass ein entflohenes Tier sich in der Wohnung vermehren
kann. Lediglich im Terrarium bei sehr hohen Temperaturen zeigt sich bei den Tieren
eine stärker ausgeprägte Sprungkraft. Gefressen werden die Kurzflügelgrillen
in der Regel von allen Reptilien, die auch Heimchen oder Steppengrillen annehmen.
Schlussendlich lässt sich also resümieren, dass die Kurzflügelgrille
sicherlich aus der Not heraus auf dem Futterinsektenmarkt angeboten wird, jedoch
keineswegs einen "billigen" Ersatz darstellt. Vielmehr überwiegen
offensichtlich sogar die Vorteile gegenüber den bislang angebotenen
Arten. Zumindest ist die Versorgung der Terrarientiere mit Nahrung
somit gesichert.